Wintertagung 2017

Sonntag, 7. Januar und 8. Januar 2017
Ort: Schenck’s Hotel und Gasthaus in Amelinghausen

Kurzbericht von der Wintertagung 2017

Auch dieses Jahr werde ich nur einige Aspekte der beiden Hauptreferenten Gerald Häfner und Ingo Krampen niederschreiben können. Das soll keinesfalls die Leistung der übrigen Vortragenden schmälern. Jede( r ) von ihnen hat uns während des letzten Wochenendes reichlich beschenkt. Das gilt natürlich auch für Sabine Lehmann, Elisabeth Bach und die gesamte Vorbereitungs- und Organisationsgruppe.

„Wenn es Ihnen recht ist....“ so begann G. Häfner in Anspielung auf das Tagungsthema den Einführungsvortrag. Rechtsverhältnisse seien immer verrückt, und zwar zeitlich bedingt. Sie regeln immer die Vergangenheit, d.h. die vergangenen sozialen Verhältnisse erforderten eine neue Rechtsprechung. Die aber seien in der sozialen Gegenwart schon wieder obsolet. Die europäische Rechtsgeschichte könne ohne das griechische und römische Recht gar nicht gedacht werden. Die individuelle Freiheit und das private Eigentum gehören geschichtlich zusammen. Der Begriff „privat“ sei übrigens abgeleitet vom lateinischen Wort „privare“, was nichts anderes heiße als „berauben“. Das komme sehr gut in dem derzeit weltweit grassierenden Landgrabbing zum Ausdruck. Allmende-Land oder Ländereien, von denen die einheimischen Besitzer vertrieben werden, werden einfach privatisiert. Häufig genug seien die neuen Eigentümer Boden-Spekulanten, die nur danach trachten, die steigenden Agrar-und Bodenpreise für die Profitsteigerung auszunutzen. Nicht nur der Boden, also die Erde(!), sondern auch das Wasser und die Luft werden zunehmend privatisiert. So werde neuerdings „Berliner Luft“ – in Dosen abgefüllt – nach Peking(Beijing) versendet. Aber auch die Gesundheit als gemeines Gut werde immer mehr privatisiert und damit kommerzialisiert. Wurden früher die nationalen Gemeinwesen durch totale Staaten organisiert und bestimmt, werde heute das internationale Gemeinwesen durch die totale Wirtschaft organisiert und bestimmt (global Player). Dadurch komme es weltweit zu Ungleichgewichten zwischen arm und reich und damit zu Auseinandersetzungen. Zukünftig gelte es, das Gemeinwesen gemeinwohlwirtschaftlich zu organisieren. Assoziativ-brüderlich sollen sich die Wirtschaftpartner gegensei- tig fragen: „Was brauche ich, was kannst du leisten?“ Also: Preisfindung statt Preisdiktat; Brüderlichkeit und Transparenz statt Kampf um Wachsen oder Weichen und Vertuschung. Ingo Krampen stellte als erstes seine Devise vor: „Recht schaffen statt Recht behalten.“ Er stellte ausführlich dar, wie sich unser heutiges Schuldrecht aus dem griechischen und römischen Rechtssystem entwickelt wurde. Es besteht darin, dass heute jeder Bürger einen Rechtsanspruch formulieren könne und sein „Gegner“ seine Schuld einlösen müsse. Dieses Schuldrecht blockiere heute schon aufgrund exzessiver Ausnutzung die gesamte Justiz. Schon 1977 wurde im neuen Scheidungsrecht das Schuldrecht zum Verantwortungsrecht umgewandelt. „Schuldrechtliche Ansprüche werden abgelöst durch Vertrauen der Rechtspartner.

Neben das Schuldrecht mit seinen Instrumenten ‘Schuld und Anspruch‘ tritt das Verantwortungsrecht mit den Instrumenten ‘Verantwortung und Vertrauen‘(I.Krampen in „info 3“ -1/2017). Beispielgebend für die neue Rechtsauffassung findet I.Krampen den § 11 des Verfassungsentwurfes des Runden Tisches zum Ende der DDR-Zeit.„Die Freiheit des Gewissens ist gewährleistet. Widerstreitet das Gewissen staatsbürgerlichen oder bürgerlichen Pflichten, so muss der Bürger, wenn er diese Pflichten nicht erfüllen will, andere Leistungen anbieten und der Staat andere, gleichbelastende Pflichten eröffnen.“

Klaus-Wigand Nägel

Finden Sie hier das Programm in Übersicht.

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Was ist [uns] Recht?

Vom souveränen Umgang mit staatlichen Einschränkungen und selbstgeschaffenen Regeln

Jeder von uns kennt das: Du sitzt im Büro, stolperst über ein Formular (Vertrag, Verordnung), das gefühlt doppelt so viele Seiten hat, wie das vom letzten Jahr, fluchst, möchtest einfach nur deine eigentliche Arbeit erledigen und beginnst an der Bürokratie, dem deutschen Staat, Brüssel sowieso, allen Regeln und Verträgen, kurz am RECHT und seinen Auswirkungen zu zweifeln.

Ein Teil der Wut resultiert aus dem zusätzlichen Aufwand den man hat, verbunden mit der Überlegung, dass man auch noch die bezahlt, die sich das ausdenken und später kontrollieren. Wichtiger aber ist: Wir fühlen uns bevormundet und eingeengt.

Wie gehen wir mit der ständig mehr werdenden Bürokratie, den Zertifizierungen, Verordnungen und Regeln um, die wir schon länger beobachten? Dieses betrifft alle, unabhängig vom Beruf. Ärzte, Pädagogen, Sozialarbeiter, Köche, Ladner und eben auch Landwirte: Immer mehr Zeit geht verloren für Verwaltung, die Beschäftigung mit Verordnungen, Kontrollen, Checklisten usw. Und unser Unmut trifft nicht nur den „Staat” oder hoheitliche Aufgaben wahrnehmende Institutionen: Immer häufiger treffen wir auf Regulierungen, die wir, im Prinzip, selber gestalten.

Gibt es einen souveränen Umgang mit diesem Problem? Wo setzen wir uns über Regeln hinweg, im Bewusstsein der zu tragenden Folgen? Wo lavieren wir uns durch? Wo mischen wir uns ein? Wo halten wir uns trotz inneren Widerstandes an Regeln und Gesetze? Wo haben wir genug Initiative, um aktiv Recht zu gestalten? Haben wir uns z. B. genügend mit dem CETA Abkommen beschäftigt, um sachgerecht in den Prozess einzugreifen? Was hat das Engagement der verschiedenen Gruppen bewirkt?

Auch wenn es nicht jedes Bauern Aufgabe ist, bis in die EU-Rechtsebene zu wirken, so ist es für jeden wichtig zu erkennen: Wo geht es um eine gesetzliche Regelung für alle Menschen, Bürger oder Einwohner einer Gemeinde und wo um Verträge innerhalb einer Gruppe oder zwischen Partnern?

Wir wollen mit Ihnen und den Vortragenden in einen spannenden Austausch zu dem Thema gehen. Was machen wir, damit unsere Impulse nicht durch zu viel Bürokratie, falsche Verträge und komplizierte Gesetze an Kraft verlieren? Können wir das Recht mit gestalten?

Alle weitere Informationen finden Sie hier. 

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Tagungsort:

Schenck‘s Hotel & Gasthaus
Lüneburger Straße 48
21385 Amelinghausen
Telefon: 04132 314-0, Telefax: 04132 314-98
E-Mail: info@schencks.dewww.schenks.de 

Veranstalter:
Demeter im Norden
Bäuerliche Gesellschaft e. V. und
Bäuerliche Bildung und Kultur gGmbH
Triangel 6, 21385 Amelinghausen
Telefon 04132-933 019-0
E-Mail: info@demeter-im-norden.de
www.demeter-im-norden.de

Eine Anmeldung ist nicht nötig. 

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